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Präzise Unschärfe

Neben Dave Elman, ist auch Milton Erickson ein Meister seines Faches gewesen – wenn auch auf andere Art und Weise. Leider haben er und Dave Elman sich nicht besonders gut verstanden. Jeder hat die Arbeit des anderen nicht sehr hoch geschätzt. An was das lag, darüber lässt sich nur noch spekulieren.
Anderes als D. Elman ware Erickson selbst Arzt und arbeitete mit Menschen, die psychisch erkrankt waren. Das brachte einen komplett anderen Ansatz seiner Hypnosetechniken hervor. So war er z.B. ein Meister des Utilisieren. D.h. er hat mit dem gearbeitet was seinen Patienten mitgebracht haben. Sehr bekannt ist folgende Begebenheit:

Ein Patient, der sich für Jesus hielt, weigerte sich an der Ergotherapie zu beteiligen. Erickson brachte ihn auf eine sehr elegante Art und Weise dazu. “Ich habe gehört, sie sind Zimmermann. Stimmt das? Wir brauchen einige Regale für die Bibliothek. In der Schreinerei wird noch Hilfe benötigt.”

Mit dem Wissen, das Jesus als Sohn eines Zimmermannes sicher auch Zimmermann war und dass das Arbeiten mit Holz ein Teil der Ergotherapie ist, war es nicht nur ein sogenannter Doppelbind, sondern auch eine Utilisation der Welstsicht des Klienten. Erickson nahm was da war und lenkte es in eine neue, zielgerichtetere Richtung.
R. Bandler und J. Grindler, die beiden Begründer des NLP, haben M. Erickson bei seiner Arbeit beobachtet und daraus eine Sammlung von Sprachmustern destilliert: Das Miltion-Modell. Oft ensteht bei einseitiger Betrachtung der Eindruck, dass es sehr ungenau, bzw. unscharf ist. Für sich alleine stehend ist dem auch so. Z.B. Folgendes Sprach-Muster:”Es ist egal ob Sie gleich oder in ein paar Augenblicken die Augen schließen.”
Zuerst ist es eine sogenante Auswahlillusion. Die Augen werden so oder so geschlossen – es ist nur eine Frage des wann. Jedoch, was ich als viel wichtiger erachte, es ist auch ein Test. Ein Test auf die Art und Weise wie das Gegenüber reagiert. Schließt er sofort die Augen, oder hält er sie bewusst offen? Braucht er mehrere Einladungen? Ein schneller Augenschluss kann ein Hinweis auf guten Rapport sein oder auch auf “übereifriges” Mitarbeiten des Klienten.
Unter der Prämisse: Jedes Milton – Sprachmuster ist auch ein Test, ergeben die “unscharfen” und “unpräzisen” Aussagen von Erickson einen komplett anderen Sinn. Die Fragen: “Weißt du schon welche positiven Auswirkungen dieses Wissen für dich hat?” enthält nicht nur die Implikation: “Es hat positve Auswirkungen für dich!”. Auch die Art und Weise, wie dein Gegenüber antwortet lässt Rückschlüsse darauf zu, wie er auf solche und ähnliche Fragen reagiert.

Führen Sie folgendes Experiment durch: Stelle mindestens 20 Menschen die o.g. Frage und achte darauf, wie sie reagieren statt darauf was sie Antworten. Diese Information ist meist viel interessanter.

Komprimierte Erfahrung

Einer der besten Hypnotiseure des letzen Jahrunderts war mit Sicherheit Dave Elman (1900 – 1967). Ursprünglich Showhypnotiseur, hat er viele Jahre Ärzte und Zahnärzte in seiner Form der Hypnose ausgebildet.  Hierbei hat er seine Erfahrung auf der Bühne wunderbar auf den Alltag eines typischen Mediziners übertragen. Häufig genug meinte er “Wenn Hypnose in der Praxis eins Arztes Bestand haben soll, darf sie nicht mehr als eine Minute in Anspruch nehmen!”. Und es ist so, dass mit seinen Methoden innerhalb kürzester Zeit tiefste Trancen möglich sind. Die Frage, ob schneller in Trance auch besser ist, beantworte ich in einem späteren Beitrag.

Neben seinen beeindruckend schnellen Induktionen war er auch ein Meister der hypnotischen Anästhesie, d.h. der kompletten Schmerzausschaltung. Nach den Unterlagen, die mir zur Verfügung stehen, gehe ich davon aus, dass ihm dieses Thema besonders wichtig war.

Doch am meisten begeistert mich, auf welche elegante Art und Weise er seine Erfahrung komprimieren konnte. Alleine seine berühmte “Dave Elman”-Induktion: Sie erscheint auf den ersten Bilck recht einfach – was sie auch ist. Doch in ihr sind sehr viele Prinzipien der Hypnose explizit und auch implizit vorhanden. Sie kommt mir vor, wie ein hypnotisches ZIP-File.
Betrachten wir z.B. seine Augenschluss-Suggestion:

Schließ die Augen und entspanne die Muskeln um deinen Augen so weit, dass du sicher bist, das sie nicht mehr funktionieren. Wenn du sicher bist, dass sie nicht mehr funktionieren, dann teste, dass sie nicht mehr funktionieren. Teste so, dass du sicher bist.

Bitte denk einfach mal eine kurze Zeit über die Bedeutung der Worte nach und lies erst dann weiter.

Das erste was mir daran auffällt, ist das paradoxe Sprachmuster “Wenn du sicher bist, dass sie nicht mehr funktionieren, dann teste, dass sie nicht mehr funktionieren.
Das hat mehrere Implikationen. Wenn ein Klient diese Suggestion umsetzt, ist bereits eine Augenkatalepsie erreicht. Was je nach Hypnoseskala schon eine gewisse Trancetiefe erfordert. Wenn der Klient jedoch die Augen öffnet, dann hatte er die Augenlider nicht weit genug entspannt, was ein deutliches Zeichen für mangelnden Rapport ist. Meist existiert noch irgendeine Angst vor Hypnose oder der Klient will beweisen, dass es bei ihm nicht funktioniert. Der Test auf Rapport ist somit auf elegante Art und Weise eingebaut. Wichtig hierbei ist: Der Klient muss wirklich testen. Hier ist Beobachtungsgabe vonnöten. Es ist sichtbar, ob ein Klient wirklich die Augenlider testet oder nur so tut. Man erkennt dies am Zucken der Augenlider.

Es ist wertvoll nur diesen Augenschluss immer und immer wieder zu üben. Er bildet eine wunderbare Basis zur weiteren Arbeit und schult mehrere Aspekte der direkten Hypnose.

Die Essenz der Hypnose

“Was wäre wenn?” Das ist eine beliebte Frage in der Arbeit mit Klienten.  Vor kurzem stand ich vor einer Entscheidung: Soll ich einen Workshop absagen, da die Kollegen ausgefallen waren oder mache ich ihn alleine?

Nätürlich ;) habe ich ihn alleine durchgezogen. Doch es musste ein anderer Workshop sein. Denn ich alleine konnte niemals die Spezialgebiete meiner Partner abdecken. Die Frage war: “Welche Art von Hypnose-Workshop will ich halten?”

Die Antwort war für mich so erschrecken einfach! Einen Workshop wie ich ihn für mich gewünscht hätte – einen Workshop, der die Essenz der Hypnose vermittelt.

Die Frage “Was wäre wenn?” tauchte in diesem Moment in meinem Kopf auf. “Was wäre wenn ich die Essenz der Hypnose in diesen drei Tagen unterrichten könnte?”

Das Ergebnis waren Drei Tage Core Hypnose. Ein Workshop, in dem ich für mich das wesentlichste aus vielen Jahren der Erfahrung komprimiert habe. Die wichtigsten Techniken und vor allem die wichtigsten Prinzipien der Anwendung der Hypnose.  Prinzipien, mit denen sehr lange gearbeitet werden kann und immer neue Erfahrungen möglich sind.

Das begeisterte Feedback der Teilnehmer veranlasst mich diesen Workshop wieder anzubieten. Und es hat mich mit einer Leidenschaft infiziert: Die Suche nach der Essenz der Hypnose ….

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